Sonntag 11. September 2016
Cap blanc nez Cap gris-nez Boulogne-sur-mer

Christine wird unsere Führerin durch die Woche sein und Gerlinde kann für uns ins Deutsche übersetzen.

Strahlender Himmel. Stella Plage, ganz im Süden der Opalküste ist ein kleiner Badeort mit Häuschen, die sich in die Landschaft ducken. Bald sind wir auf der Autobahn in Richtung Calais. Ab und zu spitzt im Westen das Meer durch die leichte Hügellandschaft. Unsere Wanderung beginnt am Cap blanc, (die weiße Nase) einer Landspitze die steil ins Meer abfällt. 

Kurz vor Cap blanc- nez wundern wir uns über die völlig zugeparkten Straßen. Dann aber, noch bevor wir den großen Obelisk erreichen, kommen uns Marathonläufer entgegen. Mehr und mehr drahtige Gestalten. Schnaufen sich auf den Hügel, drehen eine Runde und sausen wieder talwärts. 

Wir aber wandern durch eine Landschaft, die, etwas beklemmend, ahnen läßt, was hier in den Kriegen abging. Schautafeln erinnern an den 2. Weltkrieg. Anstatt glatter Hügel, überall Bombentrichter, die heute allerdings der einen oder anderen Kuh als gemütliches Rastplätzchen dienen. Von den Bunkerresten wollen sie nichts wissen. 
Wir blicken auf den Kanal. La Manche. Fischerboote, Fähren und am Horizont ein weißer Streifen die weißen Kreidefelsen von Dover. 

Tief unter uns am Ufer entlang bewegt sich noch eine Schlange von Marathonläufern wie auf einer Ameisenstraße.

Wir ziehen weiter nach Süden, vorbei am kleinen Fischerdorf Wissant, zum Cap gris nez mit seinem stolzen Leuchtturm. Als immer schon ein strategisch wichtiger Punkt, erinnert hier eine lange Reihe von Schautafeln an die Kriege. 

Von dort zieht sich ein schmaler Pfad runter ans Meer und weil es gerade Ebbe ist, wandern wir übers Watt. Auf riesigen Felsbrocken kleben Millionen kleiner Muscheln, gerade wie die aus unserem gestrigen Suppentopf. Weich und grün schmiegt sich der Tang über den Sand. Die großen Felsbrocken bieten uns Sitzplätze für ein Picknick. Im Rücken die Steilküste und vor uns das Meer. Was für ein Erlebnis! In der Ferne ragt das Cap blanc mit seinem Steilabfall in den Himmel. Wir sehen den Fischern zu, die mit Traktoren ihre Flobartboote in ihre Vorgärten auf dem Hügel und ziehen. 

Unser Rückweg zieht sich auf sehr sandigen Pfaden die Steilküste zum Leuchtturm hoch und immer noch begegnen uns Marathonläufer.

Der Nachmittag gehört der Hafenstadt Boulogne-sur-mer. Die Stadt hat zwei sehr unterschiedliche Teile. Ihre Oberstadt ist gebildet von der Befestigungsanlage, die unter anderem das Schloß-Museum, die Basilika und den Wachturm birgt. Ihre Unterstadt ist gekennzeichnet durch die Anwesenheit ihres Fischereihafens, Fracht- und Jachthafens. Der größte Fischereihafen Frankreichs. 

Gerti Plangger